Sonne im Nordosten / Sun in the northeast (15. Tag / Day 15)

(English version below)

Gestern wollte ich nach der Besichtigung des Krafla-Kraftwerks noch ein Foto bei der neuen Ladestation am Schwimmbad Jarðböðin beim Mývatn machen. Tja… da stand da ein E-Golf und war an der Ladestation angeschlossen. Das war das erste Mal, dass ich eine besetzte Ladestation erlebte. Naja, ich war ja nicht auf einer Tagesetappe und auf das Laden angewiesen. Heute Morgen bin ich als erstes nochmal dort hin und das die Fotos sind hier bei plugshare zu sehen.
Erstes Zwischenziel heute war das sehenswerte Automuseum in Ystafell. Dort war ich schon oft und wollte auch diesmal den Fortschritt beim „Holz-LKW“ sehen und natürlich Sverrir, dem Museumsleiter, mein Elektromotorrad vorführen. Er hörte mich gar nicht kommen, als er gerade die Fahne auf dem Vorplatz hisste. In den fast 1,5 Stunden Aufenthalt mit nettem Gespräch und Besichtigung (siehe Bilder und Bildunterschriften) konnte das Motorrad immerhin von 38 % auf 57 % aufladen (Rangegewinn von 51 km auf 74 km). Dort habe ich auch gelernt, dass in Island die normalen Steckdosen eher mit 10 A statt 16 A abgesichert sind. Das erklärt natürlich, warum das Schuko-Laden mit einem „halben Schnelllader“ (15 A) nicht klappen konnte.

Auf dem Weg nach Húsavík machte ich mir Gedanken, was wäre, wenn die Ladestation dort besetzt wäre. Das erwies sich aber unnötig, siehe Bilder. Noch hatte ich deutlichen Gegenwind, was sich nach der Umrundung der Halbinsel Tjörnes änderte. Das Wetter wurde auch besser, die Sonne kam endlich durch die Wolken! Nur kalt blieb es trotzdem.
Da es von Húsavík nach Þórshöfn 158 km sind, war klar, dass ich irgendwo zwischendrin zumindest eine kurze Zeit nachladen muss. Aufgrund der Temperatur und des Windes konnte ich keine Reichweitenwunder erwarten. Zwei Möglichkeiten hatte ich geplant: Ásbyrgi Infocenter oder in Kópasker. Letzteres bedeutete aber einen Umweg von 8 km.

Ich fragte die junge Dame im Infocenter nach einer Lademöglichkeit, ggf. normale Steckdose in der Hoffnung, dass dieses moderne Gebäude vielleicht mit 16 A Sicherungen ausgestattet ist. Diese Frage ließ die Frau dann allerdings zum Chef gehen und fragen. Den sah ich zwar nicht, aber sie kam mit dem Vorschlag zurück, ich könne am Campingplatz an den Campingsteckdosen dort laden „But that costs 1000 ISK“. Ich lehnte eine Bezahlung in der Höhe ab, auch nach der Zusatzinformation „It’s for 24 hours“ ;-). Siehe hierzu meine Ausführungen im Artikel „Laden in Island“. Ich hatte noch 53 % im Akku und hätte maximal 5 kWh geladen, was beim isländischen Strompreis eine Gebühr von 40 ISK (!) bedeutet hätte, Faktor 25 kann man da durchaus als Wucher bezeichnen. (Das gleiche gilt übrigens für die ON-Stationen, wobei diese Infrastruktur ja neu aufgebaut wurde und auch DC-Schnellladung zur Verfügung stellt, die mir aber nichts nützt).

Mit einer Schleichfahrt hätte ich es vielleicht sogar bis zur Unterkunft geschafft, aber ich wählte Plan B und fuhr nach Kópasker. Dort steuerte ich gleich ins kleine Gewerbegebiet und landete mal wieder bei einer sehr freundlichen Autowerkstatt, mit Kaffee, nettem Gespräch und Interesse am Elektromotorrad. Nachdem der Ladebeginn an der kleineren roten Drehstomsteckdose aber auch erstmal die Sicherung fliegen ließ, konnte ich dann erstmals wirklich den größeren Drehstrom-Adapter einsetzen, den ich gebaut hatte.
20 Minuten später war ich wieder entspannt unterwegs auf einer sehr schönen Strecke bis nach Þórshöfn zu meiner Unterkunft.
Das waren fast 300 km Fahrt heute. Die letzte Etappe am Mittwoch wird nur 230 km lang, es gibt genug Nachlademöglichkeiten von Orkusalan und das Wetter wird wärmer, sonniger und ich habe Rückenwind. Ein schöner Abschluss.

(English version)

Yesterday, after visiting the Krafla power plant, I wanted to take a picture of the new charging station at Jarðböðin swimming pool near Mývatn. Well … there was already an E-Golf connected to the charging station. This was the first time I had an occupied charging station. Well, I was not on a day’s stage and relied on the charging. This morning I went there first and the photos can be seen here on plugshare.
The first stopover today was the interesting car museum in Ystafell. I’ve been there many times and wanted to see the progress of the „wood truck“ again this time and, of course, show my electric motorcycle to Sverrir, the museum manager. He did not hear me coming as he hoisted the flag on the forecourt. In the nearly 1.5 hours of stay with a nice conversation and visit of the truck (see pictures and captions), the motorcycle was able to charge at least from 38 % to 57 % (Range gained from 51 km to 74 km). There I also learned that in Iceland the normal outlets are more likely to be protected with 10 A instead of 16 A. This of course explains why the standard plug charging could not work with a „half of my quick charger“ (15 A).

On the way to Húsavík, I wondered what if the charging station there would be occupied. This turned out to be unnecessary, see pictures. I still had a clear headwind, which changed after the circumnavigation of the Tjörnes peninsula. The weather also got better, the sun finally came through the clouds! But it remained quite cold.
Since it is 158 km from Húsavík to Þórshöfn, it was clear that I would have to recharge at least a short time somewhere in between. Due to the temperature and the wind, I could expect no range miracle this time. I had two options planned: Ásbyrgi information center or in Kópasker. The latter meant a detour of 8 km.

I asked the young lady in the Infocenter for a charge, possibly at a normal outlet in the hope that this modern building may be equipped with 16 A fuses. This question, however, let the woman go to the boss and ask. Although I did not see him, she came back with the suggestion that I could load at the campsite at the sockets there „But that costs 1000 ISK“. I refused a payment in that height, even after the additional information „It’s for 24 hours“ ;-). See my remarks in the article „Loading in Iceland“. I still had 53 % in the battery and would have charged a maximum of 5 kWh, which would have meant a fee of 40 ISK (!). With the Icelandic electricity prices, a factor of 25 can be described as extortion. (The same applies by the way to the ON stations, although this infrastructure was indeed rebuilt and also provides DC fast charge, which is nevertheless not useful to me).

With a crawl drive, I might even have made it to the accommodation, but I chose Plan B and drove to Kópasker. There I drove right into the small business park and landed again at a very friendly garage, with coffee, nice conversation and interest in my electric motorcycle. But the start of charging at the smaller red three-phase socket let the fuse blow out. So I could then for the first time really use the larger three-phase adapter, which I had built. 20 minutes later I was relaxed again on a very nice route to Þórshöfn to my accommodation.
That was almost 300 km drive today. The final stage on Wednesday is only 230 km long, there are some of charging opportunities from Orkusalan and the weather is getting warmer, sunnier and I have tailwind. A nice ending.

 

Ruhetag am Mývatn / Rest day at Mývatn (14. Tag / Day 14)

(English below)

Heute gab es keine Etappenfahrt auf meiner Reise. Ich bin ein bisschen in der Gegend des Mývatn herum gefahren und es gab nochmal einige gute Gelegenheiten für nette Fotos, leider alles bei Regen. Trotzdem kam ich noch auf 56 km Strecke. Ein Highlight war auf jeden Fall eine Einladung des Managers des Krafla-Kraftwerks zu einem Ladestopp für „vulcano power“. Er hatte mir gleich nach dem Fernsehbeitrag im isländischen Sender RUV eine E-Mail geschickt. Vielen Dank, es war sehr interessant! Wir fuhren zu einem der Bohrlöcher mit Gelegenheit ein paar gute Fotos zu machen und mir wurde, während das Motorrad dann an einer passenden Steckdose angeschlossen war, die Steuerzentrale des Kraftwerks gezeigt. Alles war gerade frisch modernisiert und machte einen guten Eindruck.
Die weiteren Motive erkläre ich in den Bildunterschriften.

 

(English version)

Today there was no stage trip on my journey. I drove a bit in the area of Mývatn and there were some good opportunities for nice photos, unfortunately everything in the rain. Nevertheless, I still drove 56 km. A highlight was definitely an invitation from the manager of the Krafla power plant to a charging stop for „vulcano power“. He had sent me an e-mail right after the TV report in the Icelandic station RUV. Thank you, it was very interesting! We drove to one of the wells to take some good pictures and me was shown the power plant control room while the motorbike was connected to a suitable power outlet. Everything was freshly renovated and made a good impression.
The other motifs I explain in the captions.

Showtime! (13. Tag / Day 13)

(English version below)

Heute fand sie statt: Die Auto/Motorshow in Akureyri zum Abschluss der „Bíladagar“. Es gab jede Menge interessante Autos und andere Fahrzeuge zu sehen, darunter auch ein Elektromotorrad :-). Ich habe viele Flyer über meine Tour verteilen können und einige interessante Gespräche geführt. „Elektrisch“ heißt auch Isländisch „rafmagns“ und dieses Wort habe ich immer wieder mit einem überraschenden Tonfall gehört, wenn Leute an meinem Motorrad vorbeigelaufen sind. Ein schöner und auch langer Tag, denn ich wurde nach der Motorshow noch ins Motorradmuseum von Akureyri eingeladen. Die hatten auch ein paar Bikes ausgestellt nicht weit von meinem. Das Museum ist wirklich sehenswerte, ich hatte nicht sowas großes erwartet.
Danach war ich noch etwas essen und bin dann die 100 km zum Mývatn zum Besuch bei Freunden gefahren.
► Hier ein 360° Video von meinem Gang über die Motorshow, kurz vor der Öffnung.

(English version)

Today it took place: the car / motor show in Akureyri as the final of the „Bíladagar“. There were plenty of interesting cars and other vehicles to see, including an electric motorcycle :-). I have been able to distribute many flyers about my tour and have had some interesting discussions. „Electric“ in Icelandic means „rafmagns“ and this word I have heard over and over again with a surprising tone when people past my motorcycle. A nice and long day, because after the show I was invited to the motorcycle museum of Akureyri. They also had a few bikes on display not far from mine. The museum is really worth seeing, I did not expect anything big.
Then I was eat something and then I drove the 100 km to Mývatn to visit friends.
The picture captions will follow later.
► Here is a 360 ° video of my walk through the motor show, just before the opening.

 

Auf nach Akureyri! / Let’s go to Akureyri! (12. Tag / Day 12)

(English version below!)

Heute blieb es trocken, aber es gab noch viel Wind. Ich bin recht spät aufgebrochen und hatte unterwegs noch einen Besuch gemacht. Von Hofsós ging es nach Siglufjörður, dort hatte ich einen Ladestopp geplant und konnte noch ein gutes Stück der spannenden 2. Halbzeit Island-Argentinien miterleben. In der Kneipe war Stimmung! ►Video der letzten Sekunden des Spiels in der Kneipe.
Dann erreichte ich Akureyri. Nach Einchecken und Kochen dann Motorrad aufladen und (diesmal vorsichtig) waschen. Jetzt konnte ich endlich zur Fußballhalle, wo nach und nach die Teilnehmer mit ihren Fahrzeugen eintrafen und alles aufbauten. Ich bin sehr glücklich dabei sein zu können und begeistert, dass alles geklappt hat mit der Tour. „Bis hierher“ sage ich immer dazu. Das Sahnehäubchen kommt dann noch Dienstag und Mittwoch mit einer schönen Runde durch den Nordosten. In den Bildunterschriften gibt es weitere Infos zu heute.

(English version)

Today it stayed dry, but there was still a lot of wind. I left quite late and had made a visit on the way as well. From Hofsós I drove to Siglufjörður, where I had planned a charging stop. During that I could see the last 20 min of the exciting second half Iceland-Argentina. In the pub was a terrific atmosphere! ► Video of the last seconds of the match in the pub.
Then I reached Akureyri. After checking in and cooking then charging the motorcycle and washing it (this time carefully). Now I was finally able to drive to the football hall, where the participants arrived gradually with their vehicles and set up everything. I’m very happy to be there and excited that everything went well with the tour. „Up to here“ I always say. The cherry on the cake will come on Tuesday and Wednesday with a nice tour through the northeast. In the captions there is more information about today.

Entspannt durch den Norden / Relaxed through the north (11. Tag / Day 11)

(English version below)

Karte_Tag_11Heute hatte ich eine Entscheidung zu fällen. Fahre ich nochmal 60 km (hin und zurück) Schotterpiste zum Felsen Hvítserkur, der so schön im Meer steht, oder nutze ich die Zeit lieber für einen Schwimmbadbesuch. Schotterstrecken hat das Motorrad jetzt eigentlich genug erleiden müssen und die Reichweite beim gegenwärtigen Wind ist auch fraglich.
So ließ ich mir im Hostel Hvammstangi dann auch viel Zeit bis zum Aufbruch und machte noch die englische Blog-Version von Tag 10 fertig (dort gibt es jetzt auch noch einen Nachtrag zum Dynjandifoss). 10:20 Uhr ging es los und nur 188 km sollten es heute werden. Dazu hätte eigentlich ein Ladestopp ausgereicht, aber es gab unterwegs drei Orkusalan-Stationen, die ich alle nutzen wollte.

Bis Blönduós waren es nur 65 km, aber ich hatte starken Gegenwind und wollte auf der Ringstraße nicht allzu langsam fahren. Ich hatte stellenweise einen Rekordverbrauch von deutlich über 90 Wh/km. Ich hab dann auch mal extra noch beschleunigt, um zu sehen, ob die Anzeige auch dreistellig werden kann. Tatsächlich kam ich auch über 100 Wh/km! So kam ich mit nur 26 % im Akku nach den 65 km Fahrt an. Jetzt lohnte sich das (kostenlose) Laden. Das gesparte Geld, dass ich bei der ON-Station hätte zahlen müssen, investierte ich in einen Besuch den Schwimmbads. 1000 isl. Kronen (8,10 €) Eintritt war allerdings auch ein Rekord auf dieser Reise.

Die 2. Station bei Húnaver war im letzten Eintrag bei plugshare.com vom Mai 2018 als defekt gemeldet. Deswegen habe ich auch die angefahren. Sie funktionierte.
Den 3. Stopp in Sauðárkrókur nutzte ich, um ein bisschen durch den Ort zu spazieren. Hier gab es eine Ladestation direkt am Rathaus. Der dazu gehörige Parkplatz war ausgerechnet von einem Fahrzeug der Gemeinde zugeparkt (immerhin ein E-Golf). Meine Reaktion sieht man in den Bildern. Ebenfalls in den Bildern zu sehen ist, dass das Wetter ganz ok war, was ich sonst noch erlebte im Café in Glaumbær, die Spritpreise in Island und was es heute Abend im Gästehaus in Hofsós (ich übernachte etwas nördlcher als geplant) zu essen gab.

(English version)

Karte_Tag_11Today I had a decision to make. Shall I drive again 60 km (there and back) gravel road to the rock Hvítserkur, which is so beautiful in the sea, or I use the time rather for a swimming pool visit. The motorcycle has now actually suffered enough from gravel roads and the range in the current wind might be also critical.
So I spent more time in the hostel Hvammstangi until departure and made the English blog version of Day 10 finished (there is now also an addendum to Dynjandifoss). At 10:20 a.m. I started and only 188 km drive it should be today. One charge stop in between would have been enough, but there were three Orkusalan stations on the way, which I wanted test all.

It was only 65 km to Blönduós, but I had a strong headwind and did not want to drive too slowly on the ring road. After a while I saw a record consumption of well over 90 Wh/km in the display. I then also speeded up even more to see if the display is capable to show also show three digits. In fact, I also came over 100 Wh/km! So after the 65 km I came with only 26 % in the battery (SoC) to Blönduós. Now the (free) charge stop was worthwhile. The money I would have had to pay at the ON station I invested in visiting the swimming pool. But 1000 islandic crowns (€ 8.10) entrance fee was also a record on this trip.

In the last entry at plugshare.com my 2nd station at Húnaver was reported as defective from May 2018 . That’s why I stopped there too. The station worked.
The third charge stop in Sauðárkrókur I used to walk a bit through the place. There was a charging station right at the town hall. The associated parking lot was blocked by a vehicle of the community (after all, an E-Golf…). My reaction can be seen in the pictures. Also in the pictures you can see that the weather was ok, what else I experienced in the Café in Glaumbær, the fuel prices in Iceland and what to eat this evening in the guesthouse in Hofsós (I stay a little bit northeastern than planned).

 

Wind und andere Probleme! / Wind and other problems! (10. Tag / Day 10)

(English version below)

Karte_Tag_10In die Westfjorde und zum Dynjandifoss hin kommen ist ja das eine, aber erfolgreich ist eine Tour nur, wenn man auch wieder weg kommt. Und das drohte heute Morgen zu scheitern. Als ich das Motorrad aus der nächtlichen Ladeposition holte und das kurze Stück zum Waschplatz fuhr, war noch alles ok. Dann Schlamm absprühen und das Bike wieder halbwegs reinigen. Dann lud ich das Gepäck auf, checkte aus dem Hotel aus und es sollte losgehen. Neben mir startete auch gerade ein „Verbrenner-Motorrad“ und fuhr noch zur Zapfsäule auf dem Parkplatz. Während ich noch dachte, „Ach der muss erst noch tanken, das habe ich über Nacht schon erledigen lassen“, wollte ich losfahren. Aber das Motorrad bewegte sich nur ein kleines Stück und dann tat sich nichts mehr. Aber die rote Fehler-Anzeige blinkte. Ich schaltete das Display auf Fehlercode-Anzeige um und es wurde „Error 20“ angezeigt. In der Anleitung nachgeschaut: Das heißt „BMS Isolation niedrig“ (Batterie Management System). Ohje – und jetzt? Hat das was mit dem Waschen zu tun? Elektrik und Wasser, ja ja… Ich habe dann Beratung per sms von Christian und via Facebook eingeholt. Fazit: Warten und trocknen lassen, vor allem den zusätzlichen AUX-Ladeanschluss. Schlussendlich verschwand der Fehler nach einer Stunde und ich konnte endlich, aber deutlich später als geplant los. Heut waren es immerhin 270 km Strecke, die mich von den Westfjorden wieder auf die Ringstraße brachten.

Bei der Abfahrt sah ich dann die Windanzeige für den Pass auf der Strecke. Oh Schreck, eine rote Anzeige. Warnung vor Windböen bis 18 m/s. Dass die Isländer diese Einheiten verwenden, mit der keiner etwas anfangen kann, ist schon eigenartig. Klartext: Das heißt Windstärke 8 bzw. 65 km/h. Dazu findet man in Tabellen auch die Angabe „Von Bäumen werden Äste abgerissen“. Meine Winderfahrung mit dem Motorrad? Ok, jetzt vorhanden.
Man legt sich halt automatisch in den Wind und ich bin natürlich langsam gefahren, wo es böig war. Das Motorrad wird manchmal aber ganz schön geschaukelt. Da man beim Ausfahren der Fjorde ja immer die Richtung wechselt, gab es auch Stellen, wo ich Rückenwind hatte.
Regen kam dann auch noch dazu und gerade rechtzeitig hab ich dazu die extra Regenkleidung angezogen. Und dann kam schon wieder Error 20 und dazu auch noch 28. Aber zu meiner Überraschung ließ sich das Motorrad weiter fahren. Ok, jetzt bloß nicht anhalten, so lange es noch fährt… Nachdem der Regen vorbei war, verschwanden nach einer Weile auch die Fehler wieder. Beim ersten Ladestopp beim Hotel Bjarkalundur bemerkte ich auch warum die Fehler wohl kamen: Ich hatte zum besseren Trocken des AUX-Anschlusses die Kappe abgemacht, vor der Abfahrt aber vergessen sie wieder drauf zu machen.

Ladestopps hatte ich insgesamt drei: Den zweiten hatte ich in einer Autowerkstatt in Búðardalur auf Empfehlung eines Freundes eingelegt. Einer der Mechaniker kannte mich schon aus dem Fernsehbericht :-). Von meinen bisherigen Erfahrungen wäre dieser Ladestopp nicht nötig gewesen, aber es fährt sich einfach entspannter, wenn man nicht ständig mit der Reichweite rumrechnen muss. Einen dritten Ladestopp habe ich dann noch an der Tankstelle Staðarskáli eingelegt. Hier wollte ich noch ein Foto ähnlich wie 2010 machen, wo ich mit einem gelben Ford Mustang unterwegs nach Akureyri war. Außerdem wollte ich nochmal die kleine Ladestation von ON ausprobieren, mit denen ich Ost-Island nicht so gute Erfahrung gemacht hatte. Auch hier: Nur einphasiges Laden möglich, d. h. für mich nur 3,3 kW. Immerhin konnte ich das Motorrad während des Ladevorgangs aber ausschalten und etwas im Tankstellenladen einkaufen.
Auf jeden Fall waren diese Ladestopps sinnvoll, denn der Stromverbrauch des Motorrads war durch den Gegenwind, den ich auf dem 2. Tagesabschnitt hatte deutlich höher als sonst. Und auf der Ringstraße mit 50 – 60 km/h dahin schleichen, ist auch nicht zu empfehlen.

Heute gab es dann auch nochmal zwei Abschnitte mit ungeteerten Pisten und einen längeren heftigen Track wegen einer Baustelle.

P1140288Nachtrag zu gestern (Dynjandifoss): Dieser Wasserfall ist „gefährdet“. Ich war gestern überrascht und erfreut, wie wenig dort los war. Der Foss ist nicht so mal eben zu erreichen, sowohl von Süden, als auch von Norden ist einige Fahrzeit nötig. Von Norden? Ja, denn da kommen die Kreuzfahrttouristen her, die bereits zeitweise Isafjörður überschwemmen. Wollen sie zum Dynjandi, müssen Sie eine fast 4-stündige Bustour auf sich nehmen (1,5 h hin, zurück und 1 h Aufenthalt). Nun möchten die Kreuzfahrtschiffe gerne die Rechte haben, direkt in den Arnarfjord (siehe Bild) einzufahren, um dort ihre Massen auszukotzen. Das halte ich für bedenklich. Manche Dinge sollten auch nur mit einigem eigenen Aufwand erreichbar bleiben.

(English version)

Karte_Tag_10To come to the Westfjords and the Dynjandifoss is one thing, but a tour is only successful if you come away as well. And that threatened to fail this morning. When I got the bike out of the nightly charging position and drove the short distance to the washing area, everything was still ok. I cleaned the bike with water. Then I loaded the luggage, checked out of the hotel and wanted to start. Next to me also an ICE bike started its engine and drove to the gas station at the parking lot. While I was still thinking, „Oh, he has to refuel first, I’ve had that done overnight,“ I wanted to drive off. But the bike moved only a little bit and then nothing happened anymore. But the red error indicator blinked. I switched the display to error code display and „Error 20“ was displayed. Looked in the manual: That means „BMS Insolation low“ (Battery Management System). Oh, and now? Does that have something to do with the washing? Electrics and water, yes … I then got advice via text messages from Christian and via Facebook. Conclusion: wait and let dry, especially the additional AUX charging port. In the end, the mistake disappeared after an hour and I was finally able to leave, but much later than planned. Today it was after all 270 km track, which brought me away from the Westfjords again on the ring road.

On the descent I saw the wind indicator for the pass on the track. Oh, shock, a red indicator. Warning of gusts of wind up to 18 m/s. That the Icelanders use these units, with which no one can do anything, is strange. Real meaning: wind force 8 Beaufort or 65 km/h. In addition one finds in tables also the indication „from trees smaller branches are broken“. My wind experience on a motorbike? Ok, now I have it.
You lie down automatically against the side winds and of course I drove slowly, where it was gusty. Sometimes the bike is shaken quite nicely. Since you always change the direction when you drive in the fjords, there were also places where I had tailwind.
Rain came in addition and just in time I’ve put on the extra rain clothing. And then again came Error 20 and also 28. But to my surprise, the bike could continue driving. Ok, just do not stop now, as long as it still drives… After the rain was over, the errors disappeared after a while. At the first charging stop at the hotel Bjarkalundur I also noticed why the errors came: I’ve made the cap off the AUX port for better drying, but before departure forgotten to close it again.

I had a total of three charging stops: The second I had engaged in a car repair shop in Búðardalur on the recommendation of a friend. One of the mechanics already knew me from the TV report :-). From my riding experience in Iceland, this charging stop would not have been necessary, but it simply runs more relaxed, if you do not constantly have to do mental arithmetics with the range. I then made a third charge stop at the gas station Staðarskáli. Here I took a photo similar to 2010, where I was traveling to Akureyri with a yellow Ford Mustang. In addition, I wanted to try again the small charging station of ON, with which I had not had such a good experience in East Iceland. Again: Only single-phase loading possible, what means for me only 3.3 kW. After all, I could turn off the bike during the charging process and buy something in the gas station shop.
In any case, today’s additional charging stops were useful, because the power consumption of the motorcycle was really high due to the headwinds, which I had on the 2nd day section. And driving on the ring road with only 50 – 60 km/h, is not recommended.

Today there were again two sections with unpaved roads and a longer heavy track because of a construction site.

P1140288Addendum to yesterday (Dynjandifoss): This waterfall is „in danger“. Yesterday I was surprised and pleased how few people there were. The Foss is not so easy to reach, either from the south, or from the north, some travel time is needed. From the north? Yes, because that’s where the cruise ship tourists come from, who are already flooding Isafjörður at times. If they want to go to the Dynjandi, they will have to take a 4-hour bus tour (1.5 hours there, back and 1 hour stay). Now the cruise ships would like to have the rights to drive directly into the Arnarfjord (see picture) and to vomit out their masses. I think that is critical. Some things should remain accessible only with some own effort.

Durch die Westfjorde zum Dynjandi / Through the Westfjords to Dynjandi (9. Tag / Day 9)

(English version below the pictures)

Heute habe ich ein großes Ziel der Reise erreicht: Den Wasserfall Dynjandi. Außerdem in Patreksfjörður den nordwestlichsten Punkt der Reise und irgendwo dort auch die Marke 2000 km in Island.
Zunächt habe ich mit der Fähre in die Nordwestfjorde übergesetzt, 3 Stunden Ruhe :-). Dann ging die Fahrt nach Patreksfjörður zum ersten Ladestopp, direkt unterhalb des Schwimmbads. Dort bekam ich vom Manager des Bad+Sportkomplexes Tipps, wo ich weiter laden könne auf meiner Strecke. Außerdem organisierte er noch ein kurzes Interview mit einem lokalen Pressevertreter. Das werde ich dann verlinken, sobald verfügbar.

Ohne einen weiteren Ladestopp wäre die ganze Strecke zum Dynjandi und dann wieder ein Stück zurück und weiter zum Hotel Flokalundur wieder eine Herausforderung gewesen. So gab es den 2. Ladestopp in meinem geliebten Bíldudalur. Eigentlich sollte ich dort bei der Energiefirma Orkabú nach 3-Phasen-Strom fragen, tat ich auch, aber die hatten gerade wegen Umbauarbeiten alle Elektrik  bei Ihnen stillgelegt. Aber ich solle an der Sporthalle fragen. Und da fanden sich dann blaue Campingstecker. Also konnte ich auch diesen Adapter mal wieder einsetzen. Mit 94 % Akku bin ich dann weiter gefahren. Das reichte locker, denn die nun folgende Piste hatte es in sich. Ca. 80 km Dreckpiste bin ich gefahren, denn kurz hinter Bíldudalur ist nicht mehr geteert. Da es noch nass war und teilweise regnete (ich schrieb zwar gestern von Sonne…), wurde ich erwartungsgemäß ganz schön dreckig (so wie die Autos auf solchen Pisten auch). Die separate Regenkleidung ließ sich aber abends ganz leicht abwaschen. Das Motorrad hat auch einiges mitgemacht und wird morgen früh gesäubert.

Ich bin die ganze Strecke sehr vorsichtig gefahren, Tempo 30 – 45 war angesagt. Das führte neben der höheren Reichweite auch dazu, dass ich die Landschaft besser genießen konnte, trotz Konzentration auf die Strecke. ►Hier gibt’s ein kurzes Video vom Aufladen in Patreksfjörður und eine r Vorbeifahrt auf dem Weg zum Dynjandi.

Eigentlich habe ich hier nur einen kleinen Ausschnitt der Westfjorde bereist, aber auf den Bildern könnt Ihr sehen, dass auch der schon mehr als eindrucksvoll ist. Aus Zeitgründen im folgenden die Bildergalerie ohne weitere Bildunterschriften (drauf klicken zum Starten).

(English version)

Today I reached a big destination of the trip: the waterfall Dynjandi. Also I reached in Patreksfjörður the northwesternmost point of the trip and somewhere there the mark 2000 km in Iceland.
First, I took the ferry into the Westfjords, 3 hours rest :-). Then I drove to Patreksfjörður for the first charging stop. That’s located just below the swimming pool. There I got hints from the manager of the bath and sport area, where I could charge next on my route. He also organized a short interview with a local media representative. I will link that here as soon as available.

Without another charging stop the whole distance to the Dynjandi and then back again and further to the hotel Flokalundur would have been a challenge again. So I made a 2nd charge stop in my beloved Bíldudalur. Actually, I should ask there at the power company Orkabú for 3-phase power. I did, but they had just shut down all the electrical equipment for because of renovations. But I should ask at the sports hall. There were blue camping plugs. So I could use this adapter again. With 94% battery, I continued then. That was enough, because the following track had it all. Approximately 80 km dirt road I drove, because shortly after Bíldudalur the paved road ends. Since it was still wet and partly raining (although I wrote yesterday expecting sun …), I was as expected pretty dirty (as the cars on such slopes also). But my extra rain clothing was easy to wash off in the evening. The bike has also gone through a lot and will be cleaned tomorrow morning.

I drove very carefully the whole way, a speed of 30 – 45 km/h was best. This, in addition to the higher range also meant that I could enjoy the landscape better, despite concentration on the track. ► Here’s a short video of charging in Patreksfjörður and a drive on the way to Dynjandi.

Actually, I have traveled only a small part of the Westfjords here, but in the pictures you can see that even that is more than impressive. For reasons of time the picture gallery is without further captions (see above, click on it to start).